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Cruisin’ the City – Moderne Mobilität auf dem Citybike – Worauf muss ich beim Kauf achten?

Lesedauer: 4 Minuten

Deutschlands Städte werden immer voller. Mit dem Auto steht man, gerade zu Stoßzeiten, nur im Stau. Oder man sucht verzweifelt einen Parkplatz. Dabei ist man mit dem Citybike auf einer Strecke von bis zu 8 Kilometern schneller als im Auto unterwegs, wie Untersuchungen bewiesen haben. Ganz klar: Wer heute wirklich mobil sein will, ist mit einem Stadtrad eindeutig im Vorteil.

Doch einfach mal ein Fahrrad kaufen war früher – heute ist der Radmarkt so vielfältig und technisch hoch entwickelt, dass man als Laie kaum noch auf dem Laufenden bleiben kann. Statt sich in Technik-Details zu verlieren, kann man mit der Grundsatzfrage nach dem Einsatzzweck die Kaufentscheidung erleichtern, und einige Radtypen näher ins Visier nehmen.

Wofür möchte ich das Fahrrad einsetzen?

CitybikeZum Einkaufen: Will man das Citybike zum Shoppen nutzen, ist natürlich ein stabiler Rahmen und ein tragkräftiger Gepäckträger Pflicht. Nahezu standardmäßig hat sich Aluminium als Rahmenmaterial durchgesetzt. Je höherwertig das Alu und die Verarbeitung, desto geringer fällt das Gewicht aus. Gepäckträger von namhaften Firmen wie Tubus, Racktime, Hebie, Topeak oder Pletscher haben sich auch in Tests immer wieder bewährt. Je nachdem ob man mit Einkaufskorb oder mit Packtaschen unterwegs sein möchte, sollte man auf die entsprechende Bauart des Gepäckträgers achten. Auch der übliche Seitenständer im Tretlagerbereich ist bei Rädern mit Beladung überfordert. Ein verstellbarer Ständer an der hinteren Strebe ist stabiler, alternativ gibt es aufklappbare Doppelständer am Tretlager.

Nicht unerheblich sind die Reifen für Fahrsicherheit und Komfort. Neue Gummimischungen und stabile Karkassenkonstruktionen ermöglichen breitere Reifen, die man auch mit Gepäck mit relativ geringem Luftdruck fahren kann und die trotzdem nicht zu viel Energie schlucken. Dünn und hart sieht zwar schneller aus, ist es aber nicht. Fette Knubbel bringen mehr Komfort, weil Vibrationen und kleine Schläge bereits geschluckt werden. Pannensichere Reifen haben spezielle Einlagen, denen Glasscherben und ähnliches kaum noch etwas anhaben können. Beim Citybike ist eine 26-Zoll-Bereifung sinnvoll. Der Schwerpunkt bleibt tiefer, das sorgt für Fahrsicherheit. Die Laufräder sind meist stabiler, die Rahmen können kompakter und wendiger gebaut werden.

Wichtiges Kriterium bei Zuladung: Sichere, zupackende Bremsen. Statt “normaler” Felgenbremsen sollte man den Verkäufer nach hydraulischen Maguras oder Scheibenbremsen fragen. Bei der Schaltung auf eine große Übersetzungsbandbreite achten. Sprich: Man kann richtig kleine Hamstergänge einlegen, um auch in hügeligen Städten wie Stuttgart oder Nürnberg mit Gepäck jede Steigung gut zu packen. Eine 11-Gang-Nabenschaltung wie die Shimano Alfine ist nahezu wartungsfrei, hier muss nur die Kette ab und zu geölt werden. Eine Kettenschaltung ermöglicht häufig noch kleinere Gänge, braucht aber etwas mehr Pflege. Möchte man höherwertige Schaltsysteme wie eine Rohloff-Nabenschaltung, liegt der preisliche Einstieg bei etwa 1.600 Euro.

Zum Pendeln:

CitybikeWill ich schnell von A nach B, sollte das Rad eher leicht sein. Um das Gesamtgewicht zu reduzieren, helfen hochwertige Komponenten. Wie immer gilt der Grundsatz: Je leichter, desto teurer. Viel Gewicht kann man an Laufrädern und Reifen sparen. Beim Pendler-Stadtrad hilft eine Kettenschaltung, die gegenüber Nabenschaltungen ebenfalls mehrere hundert Gramm spart. 2×11-Schaltungen von Shimano oder SRAM erlauben zügiges Klettern, flottes Beschleunigen und auch hohes Tempo auf schnellen Radwegen und leichten Bergabfahrten.

Teile die man nicht braucht, kann man weglassen oder als Montage-Option wählen – Schönwetterfahrer beispielsweise die Schutzbleche und den Gepäckträger. Gewichtsfetischisten greifen denn auch zu an- und absteckbarer Akku- oder Batteriebeleuchtung, die inzwischen in Deutschland zugelassen ist. Zugelassene Leuchten müssen mindestens 10 Lux (Leuchtstärke) haben und eine Wellenlinie, den Großbuchstaben K und eine Zahl aufweisen.

Zum Immer-Fahren:

Wer auch bei Wind und Regen im Sattel sitzt und sein Rad fast täglich bewegt, sollte auf nahezu wartungsfreie Komponenten und langlebige, wetterfeste Ausstattung setzen. Sonst haben die Ausgaben für Reparaturen und Verschleiß-Ersatz schnell den Preisvorteil eines vermeintlich günstigen Rades aufgefressen. Stabil montierte und vor allem lange Schutzbleche erleichtern den Einsatz bei jedem (Sau-)Wetter. Eine sichere Beleuchtung für abends und an trüben Tagen kommt nicht mehr ohne Standlicht, Tagfahrautomatik und natürlich einem robusten Nabendynamo aus. Rubbelnde Gummirädchen von Klappdynamos an der Vordergabel sind nicht retro und schick, sondern einfach nur unbrauchbar und technisch überholt. Aktuelle Beleuchtungstechnik am Citybike arbeitet mit LED-Technik. Gute hochwertige Anlagen liefern bis zu 100 LUX (sehr hell!), alles über 30 Lux ist sinnvoll. Kilometerfresser sollten sich im Shop die neuen Riemen-Antriebe zeigen lassen, die die Fahrradkette immer mehr ersetzen. Vorteile: Leichter, wartungsfrei und nahezu unkaputtbar.

Doch nur Räder mit speziellem Rahmen, wo sich Ausfallende oder Kettenstrebe “öffnen” lassen, können einen Riemenantrieb aufnehmen. Zudem müssen solide Spannkonstruktionen am Hinterbau vorhanden sein, um den Riemen einfach aber stabil in der richtigen Spannung einstellen zu können. Wartungsarm und sicher sind an den “Dauerläufer-Bikes” hydraulische Scheibenbremsen eines namhaften Herstellers wie Magura, Shimano, Sram, Formula oder Hayes. Beim Gepäckträger auf den Durchmesser der Rohre achten, um sicher zu stellen, dass sich Packtaschen problemlos an- und abclipsen lassen.

photo-1468611840193-64665e0bd7b2Fürs City-Cruisen: Wer sein City-Rad als Ausdruck von Lifestyle und Design sieht, und lieber schick als schnell vorwärts kommt, greift zum Hollandrad oder Cruiser. Hier entscheiden vor allem Farbe, Accessoires und Design-Faktoren. Von 300.- bis 2000.- Euro reicht hier die Preisspanne, je nach Ausstattung und Komponenten, wobei ganz klar die Fahr- und Alltagstauglichkeit mit steigendem Preis zunimmt. Achtung: Wer sein geliebtes Rad immer ins Loft in den dritten Stock mitnehmen möchte, sollte schon aus diesem Grund unbedingt auf das Gewicht achten!

Für alle Einsatzzwecke gilt: Eine Federgabel vorne am Rad ist sinnvoll, muss aber nicht unbedingt sein. Allein durch die Reifenwahl und einen geringeren Luftdruck kann ich manch (schlecht) funktionierende Federgabel auch überflüssig machen. Auf der anderen Seite hilft natürlich eine gut arbeitende und gut eingestellte (!) Federgabel auf holprigem Grund wie Kopfsteinpflaster, geflickten Straßen und kleineren Bordsteinkanten, vor allem bei empfindlichen Handgelenken und Ellenbogen.

Fühle ich mich wohl auf dem Citybike?

Ganz wichtig: die Probefahrt. Eine ausgiebige Probefahrt auf dem Citybike meiner Vorstellung ist durch nichts zu ersetzen. Fahrräder sind wie Schuhe oder Mäntel. Man spürt meist beim ersten Anprobieren, ob man sich wirklich wohl fühlt, oder diese Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. Unterschiedliche Modelle und Geometrieauslegungen ergeben unterschiedliche Sitzpositionen. Drückt viel Gewicht auf Arme und Hände, wenn ich fahre? Ist die Hauptlast auf dem Sattel? Muss ich Arme und Oberkörper “lang” machen, um gut zu sitzen? Verkrampft sich mein Nacken schon nach fünf Minuten auf dem Rad? All dies sind klare Anzeichen, dass man nicht füreinander geschaffen ist. Eine optimale Kaufsituation ist, fahrfertige Räder auf einer Teststrecke in Ruhe und ungestört ausprobieren zu können. Nicht nur 20 Sekunden quer über den Parkplatz. Nehmen Sie sich genügend Zeit zum Fahrradkauf. Schon um dem Verkäufer die Möglichkeit zu geben, Sie umfassend zu beraten, und für die Testfahrten sollten Sie ein paar Stunden einplanen. Man heiratet ja auch nicht nach dem ersten gemeinsamen Dinner.photo-1464518983192-0de439b5d517

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