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Sportler bei Stadler: „Egal wie es aussieht – Du musst Dich auf Deinem Triathlonrad wohlfühlen“

Lesedauer: 4 Minuten

Sonja Tajsich, dreifache Ironman-Siegerin, über das richtige Triathlonrad, Training mit Kindern und Motivationshilfen

Sonja Tajsich war 2012 mit einem vierten Platz die beste Deutsche bei den Triathlon-Weltmeisterschaften auf Kona/Hawaii. Die Regensburgerin gewann den Ironman Malaysia (2006), South Africa und Regensburg (2010) und wurde 2012 Vize-Europameisterin in Roth. Jetzt ist die sympathische 41-jährige, die für das Team Erdinger Alkoholfrei startet, zum ersten Trainingslager nach Lanzarote gestartet. Wir sprachen mit unserer erfolgreichen Triathletin über Material, Training als zweifache Mutter und was vor ihr liegt.

Sonja, Du startest mit einem neuen Scott-Triathlonrad in die Saison 2017. Wie wichtig ist das Material für Dich?

Sonja: Ich muss mich auf meinem Wettkampfrad wohlfühlen in der tiefen Aero-Position. Ich habe alle meine Maße des vorherigen Rads angegeben und mein neues Rad wurde dementsprechend aufgebaut. Da entscheiden Millimeter über meine optimale Kraftentfaltung bei einer guten Sitzposition. Ist der Vorbau zu tief, wie ich es schon mal hatte, kann ich nicht richtig atmen. Außerdem leiden meine Wattzahlen, weil der Winkel meiner Hüfte nicht richtig passt und ich nicht meine volle Kraftentwicklung abrufen kann. Auch die Komponenten müssen perfekt funktionieren. Ich fahre seit Jahren eine elektronische Shimano DI-2 und will sie nie mehr hergeben. Die geht einfach perfekt.

Stichwort Komponenten. Was rätst Du anderen Triathleten, worauf sie beim Rad achten sollen?

Triathlonrad

Die Übergabe des Triathlonrads an Sonja

Sonja: Ganz wichtig sind die Laufräder für beste Aerodynamik und mit geringem Gewicht. Schaltung habe ich schon erwähnt, sie muss so zuverlässig und problemlos funktionieren, dass man sich im Wettkampf keine Gedanken machen muss. Mir ist der Sattel sehr wichtig. Habe ich Schmerzen beim Sitzen, kann ich schon nach 30 Kilometern aufhören, das bringt nichts. Mein vorheriger Sattel sah ein wenig seltsam aus und passte optisch nicht zum Rad (lacht), aber ich saß optimal drauf. Mit dem richtigen Sattel kann ich stundenlang Vollgas geben, das ist entscheidend. Das ist mir auch 200 Gramm Mehrgewicht wert. Sucht Euch einen für Euch optimalen Sattel. Dazu den im Triathlon-Shop den Sitzknochenabstand ausmessen lassen und entsprechende Modelle wählen. Das perfekte Sattelmodell für jeden gibt es nicht, das ist sehr individuell.

Achtet auch auf die richtige Lenkerbreite, und wie schon gesagt, Vorbauhöhe. Lieber nicht so aggressiv tief sitzen. Eine leicht entspanntere Haltung bringt da mehr. Auch die passende Kurbellänge ist nicht zu unterschätzen für die Kraftübertragung. Am besten geht man zu einem professionellen Bike-Fitter. Da kann man auf einem Verstellrad alle Maße variieren und findet so zu seiner Position. Wer es sich leisten kann, sollte auch ein Wattmess-System installieren. Das ist für Training und zur Wettkampfüberwachung viel genauer und sinnvoller als eine Pulsuhr. Oft unterschätzt ist auch der richtige Helm. Bei unserer langen Radstrecke spart jedes Detail wichtige Sekunden.

Apropos Sekunden. Du bist letztes Jahr zum zweiten Mal Mutter geworden und baust dein Training um die Kinderbetreuung herum. Wie geht das?

Sonja: Ich habe schon bei Lisa, dem ersten Kind, mit Babyjogger beim Laufen und in der Langlaufloipe trainiert, sozusagen erschwertes Laufen. Oder man sucht sich ein Fitness-Studio mit Kinderbetreuung und intensiviert das Training. Meinem Coach sage ich, an welchen Tagen ich Lücken habe und er strickt mir einen optimalen Trainingsplan pro Woche. Das ist natürlich der Luxus eines Profis, aber ohne detaillierte Pläne kann man keine Spitzenleistung bringen. Die Bewegungsanalysen sollte man auch nicht vernachlässigen, sonst schleichen sich Fehler ein, die man mit schlechteren Zeiten oder womöglich Verletzungen bezahlen muss.

Du warst ja in den Anfangszeiten Deiner Karriere eine mittelmäßige Schwimmerin und hast in dieser Disziplin viel aufgeholt. Wie wichtig ist der Beginn im Wasser?

Sonja: Mein Spruch ist immer „man kann beim Schwimmen nichts gewinnen, aber viel verlieren“. In Kona bei der WM habe ich beim Radfahren und Laufen noch 6 Minuten rausgeholt, hatte aber einen 15-Minuten-Rückstand auf die Führenden vom Schwimmen. Wäre der nur etwas kleiner gewesen, hätte ich auf dem Podium gestanden oder ganz oben. Schwimmt man technisch nicht gut, benötigt man zu viel Muskeln und Kraft, und die Wirkung verpufft. Gleichzeitig ist man ermüdeter für den Rest des Wettkampfs.

Du bist jetzt schon über zwanzig Jahre aktiv und global erfolgreich im Triathlon. Wie motivierst Du Dich immer wieder, vor allem nach Verletzungsjahren wie 2013 und 2014?

Sonja: Erfolg ist für mich die beste Motivation. Erfolg heißt nicht unbedingt gewinnen, sondern die eigenen Ziele erfolgreich umsetzen. Wenn ich weiß, dass das Training nicht optimal gelaufen ist oder ich nicht genau zum Wettkampf in Bestform bin, kann ich keine Spitzenposition erwarten. Aber es macht mir unglaublich Spaß, wenn es losgeht und ich merke, dass mein Körper seine Leistung bringt. Auch mit so tollen Sportlern und meinen Kollegen vom Erdinger Team unterwegs zu sein, ist für mich eine motivierende Atmosphäre. Ich freu mich jetzt schon auf die neue Saison…

Mit zwei Kindern und einer so langen Karriere stellt sich schon die Frage nach der Sport-Zukunft.

Sonja: Ja, ich denke auch immer wieder vor einem neuen Jahr darüber nach. Und dann bin ich voll motiviert (lacht) weil ich mich auf die Veranstaltungen freue. Für meinen Sponsor bin ich ja auch eine „Black Box“, weder er noch ich wissen, was ich jetzt 2017 so bringen kann. Aber so lange ich so viel Spaß am Triathlon habe, werde ich jährlich entscheiden, ob und wie ich weitermache. Geplant sind zwei Mitteldistanzen, in St. Pölten und in Rapperswil und dann möchte ich in Roth die Langdistanz angehen. Daneben haben wir ja unsere Purendure GmbH mit Geschäft und werden wieder den 2016 erstmals erfolgreichen Regensburg Challenge organisieren, als Deutsche Meisterschaft im Langdistanz-Triathlon. Auch eine spannende und tolle Aufgabe.

Vielen Dank für das Interview, Sonja. Wir wünschen Dir ganz viel Erfolg!

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