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Einsatzbereich und Spaßfaktor bestimmen Reifengröße und Federwege Kaufberatung Mountainbike – die Typen-Kunde

Lesedauer: 5 Minuten

So viel Auswahl – ein Mountainbike zu kaufen ist keine Frage des Geschmacks mehr, vielmehr sollte man wissen, wie und wo man damit unterwegs sein möchte. Der Markt ist nicht so leicht zu überschauen. Allein die verschiedenen Reifengrößen wie 26, 29 oder die Zwischengröße 27,5 sind für Einsteiger verwirrend. Doch mit dem passenden Einsatzbereich, bzw der Bike-Typologie, klärt sich auch diese Frage. Manche Modelle werden auch parallel in zwei Laufradgrößen angeboten. Je nach Einsatz lassen sich die Federwege der Bikes einigermaßen eingrenzen. Ein allgemeiner Tipp noch zu den vollgefederten Fahrwerken: Bei den Dämpfern hat sich in den letzten Jahren viel getan, und es wurden verschiedene Systeme entwickelt, um das lästige Wippen abzustellen, wie das Pro Pedal Damping (PPD) von Fox, abgelöst vom CTD (Climb-Trail-Descend) oder das Stable Platform Valve (SPV) von Manitou. Viele Dämpfermodelle, beispielsweise von Scott oder von RockShox, arbeiten mit Blockierhebeln vom Lenker aus (Remote Lock): eine gute Steuerungsmöglichkeit, die vor allem an langen Anstiegen den Federweg minimieren oder den Dämpfer komplett ausschalten wollen.

Als Faustregel lässt sich festhalten: 29er kommen für alle in Frage, die schnell, ausdauernd oder auf langen Touren unterwegs sein wollen. Geht der Mountainbike-Einsatz mehr in Richtung Spaß, Action, Bikepark und technische Trails, bewegt man sich zum Mittelformat 650B (so die andere Bezeichnung für 27,5 Zoll) bzw. den dickeren Vertretern, B+ hin. Das ursprüngliche Massenbike mit 26-Zoll-Laufradgröße ist inzwischen meist abgeschoben in den unteren Preisbereich oder in Nischen wie Downhill oder die Sparte Dirt, wo es auf hohe Sprünge, Wendigkeit und maximale Robustheit ankommt. Für alle Bikes gilt: Carbonrahmen oder -teile reduzieren Gewicht, erhöhen aber den Preis. Bewährt ist Aluminium, je höher die Zahl (6061 – 7005) desto hochwertiger und leichter. Stahlrahmen kommen bei schnellen Racebikes wieder, Titan bleibt exotisch und überteuert. Gewichtsempfehlungen haben wir pro Gattung dazu geschrieben.

Worum geht es Dir beim Mountainbike?

Wenn Fitness, Training oder Wettkampf Deine Motivation fürs Mountainbiken ist, solltest Du Dich in diesen beiden Richtungen in unseren Filialen umsehen bzw. beraten lassen: Die Kategorie Hardtail bedeutet zunächst lediglich, dass das Hinterteil nicht gefedert ist, vorne arbeitet eine Teleskopgabel. Hardtails sind die ursprüngliche Spezies der Mountainbikes. Als 29er-erleben sie eine Renaissance, denn die größeren Laufräder schlucken Hindernisse besser und brauchen daher nicht unbedingt ein gefedertes Heck. Hardtails wiegen wenig, meist unter zwölf Kilo (außer extrem günstige). Dadurch erzielt man gute Beschleunigung, ist flott auf Schotter und Waldwegen unterwegs, bergauf wie bergab. Hardtail bedeutet auch geringeren Wartungsaufwand, da sie weniger bewegliche Teile besitzen. Gute Bikes für Training, Rennen und Einsteiger mit geringem Budget.

Du googelst im Januar schon Marathon- und Mehrtages-Mountainbike Rennen?

Mountainbike Rennen

Mountainbike Rennen

Dann bitte flott in die Abteilung Race- und Marathon-Fully. Die Renner unter den vollgefederten Rädern, also vorne Federgabel und hinten ein bewegliches gedämpftes Heck – kurz genannt Fully – sind relativ leicht, bieten aber Komfort und Performance. 100 mm Federweg hinten und vorne reichen aus in dieser Kategorie, schließlich will man kein überflüssiges Gewicht mitschleppen. Und aufschaukeln soll sich das Mountainbike auch nicht, wenn man zig Kilometer zügig unterwegs sein will. Die Geometrien sind sportlich, Effizienz dominiert das Fahrwerk. Komplett untrainierte Einsteiger werden dies eventuell im Rücken spüren. Das Mehrgewicht zum Hardtail wird durch höheren Komfort und Traktion in ruppigem Terrain kompensiert. Empfehlenswerte Modelle mit guter Ausstattung und akzeptablem Gewicht starten bei 2000 Euro. Kurzhubige Fullys müssen nicht immer auf Rennstrecken zu finden sein, auch im Mittelgebirge machen sie eine gute Figur.

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All Mountain

Spaß und Erlebnis lauten deine Zauberworte fürs Biken, und das vor allem mit Panorama-Landschaft und echten Natur-Trails, die mit Vornamen Wurzel- oder Rocky- heißen. Hier greift der Überbegriff All Mountain, was soviel bedeutet wie Universal-Spaß. Tolle Touren, Tagesabenteur, Genuss – dies wird ermöglicht durch Federwege von 120-150 Millimeter, Geometrie und Ausstattung sind gebaut für Vielseitigkeit: vom Marathon bis zur Trail-Tour im Hochgebirge geht alles. Die Rahmenwinkel (Lenk- und Sitzwinkel) sind gemäßigt, die kompakte Sitzposition und absenkbare Sattelstützen ergeben mit dem breiten Lenker Sicherheit im Gelände und weniger Rückenbelastung mit Rucksack. So kann man gut auch Alpenanstiege erklimmen und bergab das Gas entspannt stehen lassen. Für leichte, hochwertige Modelle muss man um 3000 Euro rechnen, Einsteiger sind mit 2000 Euro dabei.

Noch mehr Spaß, aber bitte keine Langstrecke?

Dann brauchst Du fette Dinger: Fatbikes auf überbreiten Knubbelreifen (bis 4,8 Zoll Breite) sind der dickste Schrei derzeit. Die Monster-Pneus sparen eine Heckfederung. Ursprünglich waren sie für Sand und Schnee gebaut. Man kann aber auch cool durch die Stadt fräsen damit, und braucht weder Randsteine noch Kopfsteinpflaster zu fürchten. Bei diesen Allround-Mobilen ist der Fahrspaß schon in die Reifen eingepumpt. Traktion und Dämpfung sind hervorragend. Fat ist leider auch der Ausschlag auf der Waage, unter 12 Kilo geht wenig. Ab rund 1400 Euro gibt es sinnvolle Fatbikes, das Gewicht liegt dann eher bei 16 kg.

Du träumst von steinigen, handtuchschmalen Wegen durch italienische Wälder, von verlassenen Alpenpfaden oder angelegten Lines in ganz Europa?

Mountainbike

Mountainbike Rennen

Bergauf fahren muss nicht immer sein, vor allem wenn es Gondeln gibt? Die Realisierung des Traums heißt Enduro. Die Geländetauglichkeit und das Image entsprechen mindestens einem Landrover oder Mercedes G, ab 160 Millimetern geht es mit der Gattung Enduro so richtig los. Technische Abfahrten, gerne auch mal Sprünge, ruppiger Untergrund bis zu gleichnamigen Rennen. Enduro hat sich schnell etabliert, weil es zum Ursprünglichen des Mountainbikens zurück führt. Dementsprechend unempfindlich sind Enduro-Bikes, auf allen Teilen steht „robust und haltbar“. Das hat natürlich seinen Preis, vor allem wenn man bei der 13-Kilo-Marke bleiben möchte. Da stehen dann 4000.- auf dem Preisschild. Wenn’s auch 14 bis 15 Kilo sein dürfen, beginnt der echte Geländespaß ab 3000 Euro.

Dir ist nichts zu steil, Du begibst Dich mit deinem Mountainbike auch gerne mal in die Luft?

Mountainbike Tour

Mit dem Mountainbike auf Tour

Wenn es unter den Reifen so richtig scheppert, gehen Deine Mundwinkel nach oben. Die Karte aller Bike-Parks in Europa hängt überm Küchentisch. Dann weißt Du schon, dass es nur ein Freeride-Bike sein kann. Bergauf zu treten überlässt Du gerne den anderen, die Gondel-Tageskarte ist Dir wichtiger. Wenn Du noch am Anfang der Freeride-Karriere stehst, reichen drei Tausender. Dafür wiegt Dein „Knight Rider“ auch 16 Kilogramm. Je härter Du unterwegs bist, desto mehr solltest Du ins Bike investieren. Kräftige Vier-Kolben-Scheibenbremsen mit 200-mm-Discs sind anzuraten. Gut abzustimmende Gabeln und Dämpfer mit Reserven kosten leider auch, so dass man schnell über die 4000-Euro-Grenze kommt.

Vollgas – sonst nichts.

Diese Königsdisziplin mit Schwerpunkt auf Geschwindigkeit heißt bei Mountainbikes Downhill. Mit mindestens 200 Millimetern Federweg an Heck und Front schlucken sie alles, was quer kommen könnte. Die Geometrie ist aufs Runterfahren ausgelegt, pedalieren erweist sich als mühsam bis unbrauchbar. Ausgezeichnete Bigbikes knacken die 17-Kilo-Marke nach unten. Fahrbare Downhill-Vertreter beginnen bei 3000 Euro. Wettbewerbsfähige Teile kennen nach oben fast keine Grenzen. Dafür ist der Einsatzbereich – bitte – auf Bike-Parks und gesperrte Traings- und Wettkampfstrecken limitiert.

mountainbike-sprungSprünge, Sprünge, Sprünge

Das Bike ist nur zum Anlauf da. Dein eigentliches Element ist der Luftraum über (selbst geschaufelten) Jumps und Kickern. Das nennt sich bei Mountainbikern Dirt und hat Hardtail-Bikes mit kleinen Rahmen hervorgebracht. Solltest Du in die Fliegerei einsteigen wollen, tut es am Anfang ein relativ günstiges Dirtbike um die 1600 Euro. Wenn es härtere Landungen vertragen soll, muss man mehr investieren. Die Ausstattung ist eher spartanisch, oft ist nur eine Bremse montiert, dafür sind Tretlager und Rahmen auf Steifigkeit und Nehmerqualitäten ausgelegt.

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