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Ferienzeit ist Radzeit: Unterwegs mit der Familie

Lesedauer: 4 Minuten

Demnächst brechen wieder die Ferien aus. Nicht alle werden verreisen, warum auch. Zuhause gibt es einiges zu erleben, man muss sich nur etwas einfallen lassen. Als meine Töchter noch jünger waren, kam am zweiten Ferientag schon die „Was machen wir morgen“-Frage. Spontan schlug ich etwas fantasielos eine Radtour vor. Ich fuhr schon immer viel Rennrad, aber eine gemeinsame Radtour hatten wir noch nie so richtig unternommen. Erwartungsgemäß hielt sich die Begeisterung in Grenzen, meine Radsport-Leidenschaft hatte sich bisher noch nicht auf meine Mädels übertragen. Während die Große plötzlich doch noch für den morgigen Tag einen Termin zum „Shopping auf dem Ku’damm mit Freundinnen“ klar machte, gab es für ihre kleine Schwester kein Entrinnen. Als verantwortungsvoller Radsportler wollte ich diesen Tag für meine Tochter und meiner Frau natürlich so schön wie möglich gestalten.

Als erstes führte mich am Vorabend der Radtour der Weg in den Keller. Ich führte einen kurzen Fahrradcheck durch. Sind die Reifen aufgepumpt und haben den richtigen Luftdruck? Wenn nein, fehlt nur die Luft (das prüfte ich mit meiner Standpumpe) oder ist das Hinterrad platt, weil ein Loch im Reifen ist? Wie sieht es mit der Verkehrssicherheit aus, funktionieren die Bremsen und das Licht, sind alle Schrauben und der Sattel fest? Braucht die Kette vielleicht noch einen Tropfen Öl und was ist eigentlich mit der Schaltung? Glücklicherweise musste ich nur den Staub und ein paar Spinnweben an den Rädern meiner beiden Begleiterinnen beseitigen und Luft in die Reifen pumpen. Die Sattelhöhe beim Rad meiner Tochter passte ich am nächsten Tag noch an. Sie war seit der letzten Nutzung ihres Rades doch ein wenig gewachsen. Als Bikefitter bin ich da natürlich besonders sensibilisiert. Aber für diese Tour reichte die alte Ferse-Pedal-Regel: Zur Einstellung der (fast) richtigen Sattelhöhe habe ich einfach die Pedale samt Kurbel senkrecht nach unten gestellt und die Tochter auf den Sattel gesetzt. Nun musste sie nur noch ihre Ferse auf die Pedale stellen. Wenn dann das Bein leicht gebeugt ist, passt es.

Um unterwegs für alles gewappnet zu sein, packte ich die passenden Ersatzschläuche, Reifenheber zum Demontieren des Mantels, Flickzeug sowie ein kleines Werkzeug-Set  für alle Fälle ein, McGyver lässt grüßen. Denn ein Materialwagen wie bei der Tour de France wird bei uns leider nicht hinterherfahren 😉

Gute Streckenplanung ist natürlich alles. Damit niemand überfordert wird, sollte es nur eine kleine Runde Richtung Pfaueninsel, Glienicker Brücke und wieder zurück nach Zehlendorf werden. Gute zwei Stunden auf Radwegen und autofreien Waldwegen sollten den Verkehrsstress auf ein Minimum reduzieren. Zwischen 12 und 17 km/h wollten wir fahren. Bei dem Tempo macht man sich nicht kaputt, sieht noch etwas von der Umgebung und kann auch mal anhalten, dachte ich. Auch Sightseeing sowie Pausen in Cafés und Restaurants mit Erfrischungen in Form von Eis, Kuchen und Kaffee hatte ich im Programm.

Am nächsten Tag musste nur noch die Kleidungsfrage geklärt werden. Das Wetter war warm und sonnig, ich hatte mich für funktionale kurze Radbekleidung entschieden, gelernt ist gelernt. Natürlich fahr ich mit Radhelm, fast alle unseres Trios folgten meinem Beispiel. Nur meine Tochter wollte sich da nicht ganz anpassen, ihr war das peinlich: „Ein Helm ist uncool, Papa!“. Als aber ihre Mutter ihren Helm aufsetzte und sie feststellte, wie lässig das aussah, entschied sie sich doch für den Helm. Nicht begeistern konnte ich unser kleines „Fashion victim“ für die Vorteile einer Radhose mit Polsterung. Sie kannte ja auch noch nicht die Po-Schmerzen, die man vom längeren Radfahren bekommen kann. Wenigstens ein Wechselshirt durften wir für sie mit einpacken. Dann ging es los.

Die ersten Kilometer verliefen wie geplant. Ich konnte bei dem langsameren Tempo als sonst am Wegesrand Dinge sehen, auf die ich beim Radtraining gar nicht achte. Die ersten Probleme tauchten nach unserem Boxenstopp beim Bäcker auf. Meiner Tochter tat das Hinterteil weh, wir mussten eine Gehpause machen, Zeit also für ein wenig Radsport-Einmaleins. Ich erklärte ihr die Vorteile einer Radhose: dass sie die Reibungsstellen und den Druck am Gesäß minimiert und längere Strecke Radfahren somit weniger schmerzvoll sind.

Als wir wieder auf dem Fahrrad saßen, war die geplante Dauer der Tour („höchstens zwei Stunden“) leider schon etwas überschritten, und wir waren auch erst kurz vor der Glienicker Brücke. Als meine beiden Frauen die leicht ansteigende Straße zum Schäferberg sahen, wurde nach Alternativen gefragt. „Ja, die gibt es, dauern aber noch länger“, war meine kurze, aber ehrliche Antwort. Nach weiteren 200 Metern, das Ende des Schäferberges war noch weit entfernt, wurde um eine Pause angefragt.

Meine beiden Damen wollten sich noch einmal stärken. Als ich allerdings mein Unverständnis mit der Aussage: „Das sind nur noch 10 Kilometer bis nach Hause, da muss man keine Pause mehr machen“, zum Ausdruck brachte, blickte ich in verständnislose Gesichter. Glücklicherweise hatte ich natürlich vorgesorgt. Isotonische Getränke und Powerriegel fanden dankbare Abnehmer und die erschöpften Muskeln bekamen noch einmal einen Energieschub. Während unserer Pause wurde die Taktik für die nächsten Kilometer besprochen. Bis nach Zehlendorf sollte, in Anbetracht des völlig aus der Kontrolle geratenen Zeitplans und angesichts der stark nachlassenden Kondition meiner Tochter, nicht mehr geradelt werden. Das Ziel hieß nun S-Bahnhof Wannsee, nur noch fünf Kilometer. Das setzte noch einmal Kräfte frei. Eine Stunde später als geplant fand die Radtour, die einzige in diesen Sommerferien und die letzte gemeinsame, ein glückliches Ende.

Fazit

Auch beim Radfahren gilt: Der Weg ist das Ziel, weshalb man bei einer Radtour mit der Familie unbedingt darauf achten sollte, die schöne Landschaft genießen zu können. Ein paar Tipps und Tricks helfen allerdings, alle für die gemeinsame Ausfahrt zu begeistern und unterwegs die Laune oben zu halten.

RadkarteRadtourEs ist wichtig, dass die Strecke nicht zu lang ist und die Bahnhöfe nicht zu weit weg sind. Normalerweise braucht man keinen Zug für die Rückkehr, aber es gibt ein sicheres Gefühl, dass man mit der Bahn zurückfahren könnte, wenn man es denn wollte.

Man sollte die richtige Kleidung tragen, um so lange wie möglich die Tour schmerzfrei fahren zu können. Radkleidung gibt es für jeden Geldbeutel und macht auch für modebewusste Kinder viel her.

Berge und Steigungen sollten in Maßen für die Touren mit Kindern eingeplant werden. Für die genaue Planung der Strecke sollte der Griff zu einer guten Radkarte erfolgen, denn die gibt exakte Angaben zum Streckenverlauf und den Höhen.

Wenn die Konditionslevel in der Familie sehr unterschiedlich sind, gibt es eine geniale Erfindung: das Elektrorad. Mit Motor ist jede Steigung leicht zu bewältigen und auch die Länge der Strecke wird zum Kinderspiel, denn die eigene Tretkraft wird unterstützt. Pedelecs, umgangssprachlich auch E-Bikes genannt, gibt es schon als Mountainbikes für Kinder. Damit gibt es dann mit Sicherheit keine Beschwerden wegen Müdigkeit mehr 🙂

(Der Artikel wurde von Michael Wiedersich verfasst.)

1 Kommentar

  1. Johannes sagt:

    Super Beitrag! Das ein oder andere Mal musste ich beim Lesen schmunzeln 😉
    Wir waren erst kürzlich im Bikeurlaub in Südtirol und ich konnte meine Kids endlich auch fürs Radfahren begeistern. Langsam haben sie den Dreh raus! Südtirol bietet übrigens super viele Strecken, die auch mit Kindern gut machbar sind – deshalb fahren wir auch nächstes Jahr wieder ins gleiche Hotel.

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