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Gravelbikes

Kaufberatung: Gravelbikes – Das kurz-weit-schnell-komfortabel-Dreck-Stadtrad

Lesedauer: 4 Minuten

Kurz, weit, schnell, in der Stadt oder einfach nur dreckig unterwegs: Moderne Gravelbikes interpretieren traditionelle Cross– und Rennräder total neu. Mit Scheibenbremsen-Technik verbindet dieser universelle Radtyp Traditionsradsport mit innovativem Spaß und hoher Sicherheit. Ein cooles Bike für den Ganzjahres-Einsatz.

Von vielen als nächster Industrie-Hype bezeichnet, lohnt es sich auf jeden Fall, Gravelbikes einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein Gravelbike ist nicht nur ein Rennrad mit anderen, angepassten Komponenten. Die im Vergleich zum Rennrad oder klassischen Crossbike gemäßigte Geometrie mit etwas flacherem Lenk- und Sitzwinkel hat mehrere Vorteile: Man sitzt sehr viel komfortabler, was diesen Radtyp auch prädestiniert für lange Strecken und Rennradmarathons. Breitere Lenker sorgen für mehr Sicherheit und entspannteres Lenkverhalten.

Mit einer Reifenfreiheit bis zu 35 Millimetern erhält man eine sehr viel größere Auswahl der Bereifung – eine der einfachsten und schnellsten Tuningsmaßnahmen für ein Fahrrad. Schon die Wahl der Reifenbreite und der Profilierung entscheidet auf Asphalt über zügiges, pannenfreies Rollen oder im Gelände über kräftige Traktion und Fahrsicherheit.

Die Macher von Gravelbikes haben sich die neuesten technischen Anregungen aller Fahrradgattungen zu Nutze gemacht, die Sinn ergeben. Ganz vorne sind hier Scheibenbremsen zu nennen, mechanisch oder hydraulisch. Nachdem die Rennradfraktion ihren Widerstand gegen die knackig zupackenden Discs aufgegeben hat, bot der Markt schnell leichtere, elegantere und gleichzeitig kräftige Scheibenbremsen für Rennräder an. Die Sicherheitsvorteile für Material und Mensch sind schnell aufgezählt: Höhere Bremswirkung bei weniger Handkraft gegenüber Felgenbremsen. Tragende Teile wie die Felge werden nicht mehr abgeschliffen. Und, klar größter Vorteil: Nahezu unverminderte Bremswirkung bei Nässe, Kälte und Schnee, wo Felgenbremsen richtig schwach aussehen. Allein durch diese robusten Bremskomponenten ist ein Gravelbike das ganze Jahr über klaglos einsatzbereit, egal ob man es für Trainingstouren über Land, auf Schotterstraßen oder als richtig flottes Stadtbike benutzen möchte.

Vibrationsdämpfende Rahmenkonstruktionen und Carbon-Gabeln sollen den Fahrkomfort erhöhen. Damit machen lange Endurance-Strecken oder das Räubern über Schotterstraßen und nicht zu wurzlige Waldwege wieder richtig Laune. Nebeneffekt ist das entspanntere Cruisen auf schlechten Radwegen oder holprigen Strecken in der Stadt – Stichwort Kopfsteinpflaster.

Sogar Steckachsen kommen zum Einsatz, so dass sich das Gravelbike in sich stabiler anfühlt. Das wackelige Lenkgefühl filigraner Vollblutrennräder ist vorbei. Konzipiert ein Hersteller sein Gravelbike in Richtung Alltagstauglichkeit, sind entweder Schutzbleche bereits vormontiert oder lassen sich einfach und ohne großen Aufwand nachrüsten. Häufig sind auch elegante Schraubösen für die Montage von stabilen Gepäckträgern an Rahmen und Gabel integriert.

Die meist verbauten Rennradschaltungen besitzen ebenfalls eine viel höhere Kapazität und sind um einiges robuster als früher – auch kräftige Steigungen verlieren mit einer modernen 22-Gang-Kettenschaltung mit angepasster Übersetzung ihre Schrecken. Ästheten und Design-Anhänger finden sogar moderne Einfach-Kettenblatt-Schaltung an einem Gravelbike. Wo kein Umwerfer mehr da ist, kann keine Kette abfallen und haklige Schaltvorgänge an der Front gehören der Vergangenheit an.

Mit den folgenden Fragen lassen sich schon einmal Modelltypen abklären, die vorgestellten Räder sind dabei lediglich stellvertretend für ihren Einsatzbereich.

Wo will ich mit den Gravelbikes fahren?

Wenn ein Gravelbike das neue Universal-Fahrrad für Schnellfahrer ist, bleibt nur noch der bevorzugte Einsatzbereich abzuklären. Will ich durch Häuserschluchten flitzen und meinen Weg zur Arbeit als Fitness-Studio nützen, sollte das neue Gravelbike einen hohen Alltagsfaktor aufweisen. Ein Beispiel dafür wäre das Kona Rove AL, das gleichzeitig günstig und robust auftritt. Rahmen und Gabel sind aus Aluminium und stecken einiges weg. Die mechanischen Scheibenbremsen brauchen lediglich an den Zügen etwas Pflege und sind ansonsten einfach und wartungsarm. Schutzbleche und Gepäckträger lassen sich einfach nachrüsten. Original sind am Kona bereits Reifen mit Reflexstreifen und Pannenschutzeinlage aufgezogen. Mit knapp 800 Euro ist das Kona Rove AL der kalifornischen Traditionsfirma (gegründet 1988) fast ein Schnäppchen und kann mit entsprechender Stollenbereifung auch mal beim Cross-Sprint im Stadtpark eingesetzt werden.

Gravelbikes

Kona Rove AL

Welche Strecken will ich mit meinen Gravelbikes fahren?

Zieht es mich mehr auf die Landstraße und verstärkt ins Gelände, sollte der Charakter auch dementsprechend gewählt werden. Schaltungen wie die Shimano 105 und Ultegra stecken lange Distanzen auch auf staubigen Straßen gut weg. Hohe Bandbreite bei der Übersetzung ist wichtig für angenehme Kadenz, sprich die Kurbelumdrehungen pro Minute, die nicht zu gering (unter 60) aber auch nicht zu hoch (über 90) sein sollten. Hydraulische Scheibenbremsen machen Tempokontrolle auch mit einem Finger auf schnellen Abfahrten möglich. Eine Carbongabel ist vibrationsmindernd ausgelegt, ein dickeres dämpfendes Lenkerband schont Handgelenke, Ellenbogen und Schultern. Das 2017er Scott Speedster Gravel 10 Disc wäre so ein Modell. Für knapp 1600.- Euro erhält man drei Räder in einem, die kleinknubbligen Schwalbe-G-1 Performance-Reifen machen auch auf Schotter noch eine gute Figur. Formula Hydraulic-Discs, 2×11-Shimano-Kettenschaltung und sehr stabile Syncros-Felgen sorgen für problemlosen Allround-Einsatz des schnelle Speedsters.

Gravelbikes: Scott Speedster Gravel 10 Disc

Scott Speedster Gravel 10 Disc

Was ist mir wichtig an einem Gravelbike– Speed oder großer Einsatzbereich?

 

Manche Hersteller bieten auch ganze Modellreihen von Gravelbikes an, die je nach Ausstattung und Auslegung dann auf Renncharakter oder vielfältige Einsatzmöglichkeiten gewählt werden können. Der deutsche Hersteller Focus hat dies mit seiner Reihe Paralane* konzipiert. Schon der Einstieg ab 1600.- Euro zeichnet sich durch einen breiten Einsatzbereich aus. Durch die leicht entspanntere Geometrie bietet sich das Focus für Marathon-Veranstaltungen genau so an wie für Landpartien mit hohem Schotteranteil. Für Schlechtwetter- und Matschfans werden hochwertige Alu-Schutzbleche gleich mitgeliefert. Steckachsen bringen erhöhte Lenksteifigkeit, je nach Modell kann man wählen zwischen der puristischen 1×11 Sram oder 2×11-Schaltungen. Die Rahmenkonstruktion wurde vibrationsdämpfend ausgelegt. Man merkt, dass bei Focus als Produktberater Mike Kluge arbeitet, mehrfacher Cross-Weltmeister und erfahrener Mountainbiker, und man Wert auf ausgefeilte Details legt.

Gravelbikes

Das Focus Paralane


* Bald bei uns erhältlich

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