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Radreise

Kennt Ihr schon die schönsten Küstenstraße der Welt?

Lesedauer: 7 Minuten

Teil 1: Mountainbiken im Trail-Paradies

Teil 2: Rennrad-Touren am Kap der Guten Hoffnung

Die besten Rennrad-Strecken, die schönsten Tipps für Kapstadt auf zwei Rädern

Hunderte von Malen habe ich diesen Anblick schon genossen, aber ich werde mich nie daran satt sehen. Tief unter mir laufen mächtige Ozeanwellen an den Felsenstrand, der Blick geht ins grenzenlose Blau von Meer und Himmel. Die Sonne wärmt meinen Rücken, vor mir schlängelt sich das Asphaltband perfekt abwärts, an rötlich-gelben Felsenbändern entlang. Links, rechts, kurze Gerade, Rechtskurve… mein Rennrad legt sich von selbst in die Kurven, ich trete im großen Gang leicht mit.

Ein leichter Anstieg, dann weitet sich der Blick über einen unendlich scheinenden, weiß leuchtenden Strand – Nordhoek Beach. Ein paar schwarze Punkte tummeln sich in den Wellenlinien. Robben oder Surfer? Egal, noch zwei Kurven, schon geht’s wieder abwärts, zügig rollend, der Wind rauscht durch meinen Helm und ich kann fast schon den Cappucino riechen, der im The Foodbarn Daily auf mich wartet.

Wir fahren auf den Parkplatz im Nordhoek Farm Village, stellen die Räder neben den vielen anderen geparkten Rennern ab und setzen uns in die Sonne. Ich schüttle die Beine aus, genieße das braune Herzchen im Cappu-Schaum und den ersten Schluck des kalten Appletisers… ein Traum.

Wer diese Strecke einmal mit dem Rad gefahren ist, fragt nicht mehr, warum man als Rennradler unbedingt nach Südafrika muss. ‚Chappies‘, der Chapman’s Peak Drive von Kapstadt, gilt sowieso als eine der malerischsten Küstenstraßen der Welt. Aber auf dem Rad ist sie definitiv die schönste Strecke dieses Planeten, auch nach unzähligen Fahrten verliert sie nichts von ihrer Faszination. Versprochen.

3D-Panorama vom Feinsten mit Bergen, Kurvenstraßen, Meer von allen Seiten, und das perfekte Rennrad-Klima von November bis April – zugegeben, ich bin sehr eingenommen, schließlich begann meine Liebesbeziehung zu Kapstadt auf den ersten Rennrad-Touren, und sie hält schon einige Jahre. Und sie wird jedes Mal neu entfacht, wenn ich mich zu den ersten Touren in den Sattel schwinge. Selbst früh um sechs bei den „morning rides“ mit Kati, Jens, Jon, Bernd, Kevin, Michael, Nina, Lesyl oder einem der anderen locals, die schon vor dem Büro schnell mal die Chappies-Runde drehen.

Für den sportlichen Kapstädter gehört das Radfahren zum täglichen Genuss, wie der Strand, das Treffen zum Braai (südafrikanischer Ausdruck für Grillparty/Barbecue), und der Austausch über die letzten und bevorstehenden Outdoor-Aktivitäten. Immer gibt es irgendwo ein Wochenend-Rennen oder ein geplanter Ride mit Freunden, der als Motivation herhalten darf. Und endet die Rennrad-Saison im April, steigt man halt aufs Mountainbike um. Hauptsache Bewegung. Und das draußen.

Als Rennradfahrer lernt man schnell neue Freunde kennen, denn so sehr wie das Training liebt der Südafrikaner den ’social stop‘. Bei der Tourplanung am Wochenende wird immer der optimale Frühstücks- oder Abschluss-Halt mitgeplant. Die nicht so sportlichen Familienmitglieder kommen dann mit dem Auto und dem zwei- und vierbeinigen Nachwuchs nach. So landet man in großer Runde im Nordhoek Farm Village, im Chardonnay Deli in Constantia, im Café Cypress in Kalk Bay oder einem der unglaublich gestylten und gleichzeitig tiefenentspannten Weingüter rund um Stellenbosch, Paarl oder Franschhoek (mein Favorit: Strammer Max im Hartlief). Auch die Kapstäder lieben das Prinzip, erstmal kräftig Kalorien zu verbrennen, um dann mächtig nachschieben zu können.

Dazu gibt es jede Menge ausgezeichneter Gelegenheiten auf den Strecken (siehe Info-Teil weiter unten).

Mit ‚coffee legs‘, den schweren Beinen nach dem Einkehrstopp, machen wir uns von Nordhoek auf den Rückweg. Hügelig, aber nicht zu heftig, diesmal direkt auf der linken, der Meeresseite. Nach diesem Blau kann man süchtig werden, nach der Landschaft auch: die fast kreisförmige Bucht von Hout Bay liegt unter uns wie hingetupft. Nach dem Aufstieg auf den Suikkerbossie ist auch die lange Abfahrt zurück nach Cape Town der pure Genuss, mit dem markanten Lions Head direkt vor unseren Augen. Kette rechts kurbeln wir entspannt auf dem Seitenstreifen an der langen zackigen Linie der 12 Apostel entlang. Der Blick geht zur Kante des Tafelbergs, der Ozean schickt eine Prise Salz und Tang-Geruch in die Nase. In Gedanken buche ich schon das nächste Ticket.

Zweirad-Stadler bietet eine organisierte Radreise nach Südafrika an, mit den landschaftlichen Highlights der Garden Route bis nach Kapstadt.

Weitere Informationen dazu hier.

 

INFO-TEIL

Charakter

Das Western Cape, die Provinz um Kapstadt und das Kap der Guten Hoffnung, bietet Rennradfahrern und Triathleten zahllose Kilometer in grandioser Landschaft. Thema Sicherheit, immer der erste Einwand, wenn man Südafrika erwähnt: Ja, es gibt zahlreiche Verkehrsunfälle, bei denen Autofahrer Radfahrer übersehen oder mißachten. Doch kann einem dies auf deutschen, französischen und italienischen Landstraßen ebenfalls passieren. Tatsache ist: Wenn fiese Graupelschauer und Nebelschwaden von Flensburg bis Garmisch den Draußensport vermiesen, rollt man ab November „kurz-kurz“ im Western Cape durch die abwechslungsreiche Gegend. Maximal Ärmlinge und eine Windweste sind für Touren am frühen Vormittag empfehlenswert, ansonsten pendelt sich das Thermometer bei perfekten 22 bis 28 Grad Celsius ein. Offiziell beginnt der südafrikanische Winter im März, doch wir waren schon Anfang Mai an sonnigen Tagen mit 22 Grad entspannt auf dem Rennrad unterwegs.

Strecken

Von Kapstadt oder dem Weinvorort Constantia ausgehend, bieten sich mehrere Varianten der Chapmans Peak-Runde an. Über Kommetjie, Simons Town und Fishhoek schneidet man das Kap der Guten Hoffnung ab und kann verschiedene Varianten für den Rückweg wählen. Kaum bekannt ist die Slangkoep-Route mit der Red Hill-Variante. Hier erklimmt man kurze knackige Steigungen, die sich hinter der langgestreckten Landzunge des Kaps der Guten Hoffnung erheben und kurbelt auf wenig befahrenen Straßen zurück (siehe Kurzbeschreibungen der Touren).

Beliebtes Wintertrainingslager von Profi-Teams sind – aus gutem Grund – auch die Winelands, eine knappe Autostunde von Kapstadt entfernt, mit den Hauptorten Somerset West, Stellenbosch, Paarl und Franschhoek. Lauschige Landstraßen mit Baumalleen, knackige Gebirgspässe und schroffe Bergketten bilden das abwechslungsreiche Panorama für die Touren. Zwischen 60 und 150 Kilometer lassen sich durch die Weingüter des Western Cape planen. Der Besuch eines tollen Restaurants mit Weltklasse-Küche oder ein Winetasting, eine Weinprobe, bieten sich geradezu für den Abschluss der Rennrad-Touren an.

Hier die Weingüter und Restaurants:

Tipps: Môreson Bread and Wine, Dieu Donné Roca Restaurant (Wahnsinnsblick), The Tasting Room at Le Quartier Français, Allée Bleue

Der Franschhoek-Pass am Ende des gleichnamigen Tales bietet kleine enge Serpentinen und Traum-Aussichten beim Blick zurück. Die Qualität des Straßenbelags ist zwar nicht makellos, für moderne Rennräder aber durchaus brauchbar. An dramatischen Felsformationen und Fynbos-bewachsene Einschnitten vorbei rollt man abwärts Richtung Grabouw.

Lange flache Strecken findet man an der Küstenstraße Richtung Hermanus, nachdem man Somerset West passiert hat. Kleine Orte wie Pringle Bay oder Bettys Bay liegen im Frühjahr und Herbst meist im Halbschlaf. Die kleinen Restaurants bieten frische Fisch-Spezialitäten und kräftige südafrikanische Hausmannskost wie die berühmten Eintopf-Gerichte der ersten Siedler, Poitjiekos und Bobotie.

Bis zum Küstenort Hermanus kann man relativ flach auf dem Rennrad rollen, dieser ist berühmt fürs Whale Watching. Die südlichen Glattwaale oder Buckelwale nähern sich im November und Anfang Dezember bis auf wenige Meter der Küste, oder sind deutlich auch ohne Fernglas zu sehen, wenn sie aus dem Wasser schießen und ihre 80 Tonnen mit riesigen aufspritzenden Wasserfontänen wieder ins Meer fallen lassen. Ein Naturschauspiel sondergleichen. Auf dem Weg nach Hermanus liegt auch eine kleine Pinguinkolonie. Die schwarz-weißen Gesellen findet man am Stony Point bei Bettys Bay.

Andere tierische Attraktionen rund ums Kap sind für Radfahrer eher mit Vorsicht zu genießen. Bobbejans, die Paviane, die in Horden gerne auch mal am Straßenrand herumlungern, sind keine kuschligen Felltierchen. Als Radfahrer sollte man sich fernhalten und auf keinen Fall mit ihnen kollidieren oder sie füttern wollen. 

Die besten Einkehrstopps

Wie überall lieben auch die Kapstädter Rennradfahrer einen Einkehrstopp auf der Tour, vom schnellen Espresso bis zum üppigen Frühstück gibt es genügend Gelegenheiten.

Sehr beliebt sind die Stopps der Kette Bootlegger, wie am Ortseingang in Bakoven oder die Filialen von Vida è Caffé. Klassiker in Green Point ist das Deli Giovannis, eine italienische Bar mit Sensations-Sandwiches und Croissants. Es befindet sich direkt an der Hauptstraße gegenüber des neuen Stadiums. The Foodbarn Daily im Farm Village in Nordhoek ist beliebter Treffpunkt, ein schneller Espresso und ein Croissant geht gut im ebenfalls dort gelegenen The Village Roast, super nett ist auch das Café Lekker in Kalk Bay. Der Kapstädter ist oft schon bei Sonnenaufgang auf dem Rennrad, die Cafés haben dementsprechend schon ab 6 Uhr offen und die warmen Croissants sind sehr schnell weg. Am Boulders Beach, direkt neben dem Puinguinstrand, liegt das Boulders Beach Restaurant, wo die Frackträger auch mal vorbeischauen. An der Constantia Main Road, nahe der Einfahrt zum Weingut Groot Constantia, finden sich das Chardonnay Deli oder der deutsch-namibianische Feinkostladen Hartlief mit dem besten „Strammer Max“ der Welt. Für Snacks tagsüber gut geeignet ist die Tapas-Bar La Parada direkt am Kreisverkehr des Constantia Nek. Auf der Strecke übers Kap oder den Red Hill kommt man durchs Hippie-Dorf Scarborough, dort ist der ‚best stop‘ das Whole Earth Café, auf organisch-nachhaltig eingestellt und einfach entzückend und lecker. Ansonsten empfiehlt sich ein Stopp überall da, wo ein bis mehrere Rennräder gelehnt stehen – ein Kapstädter Rennradfahrer legt Wert auf guten Kaffee.

 

Drei Rennradtouren mit GPS-Daten

Der Klassiker – zum Kap der Guten Hoffnung, 150km

Von Green Point oder Camps Bay startet man Richtung Hout Bay. Dort nach links, am besten verkehrsarm am ersten Kreisverkehr in die Valley Road und über die Disa Road auf den Constantia Nek und über Pagasvlei Road und Klein Constantia-Nova Constantia Road Richtung Muizenberg. Dann durch Muizenberg immer an der Küste entlang hinauf zur Einfahrt zum Kap der Guten Hoffnung. Abstecher dorthin und zurück. An den Straußenfarmen vorbei nach Scarborough, Misty Cliffs und Kommetjie. Dann links halten nach Nordhoek und über den Chapmans Peak (keine Gebühr für Radfahrer) und Hout Bay zurück nach Kapstadt.

Kleine Kaprunde mit Kletter-Varianten, 70 km

Eine kleine Runde durch die ältesten Weingebiete Constantia und innerhalb der Kab-Halbinsel. Vom Farmvillage Constantia an der Einfahrt zu Groot Constantia fährt man bis zum Abzweig des alten Kapwegs, Ou Kaapseweg, diesen rechts bergauf. Nach der Abfahrt fährt man Richtung Kommitjie, biegt rechts ab in die Slangkoep Road und weiter an der Küste entlang. An der Einmündung zur Kapstraße links abbiegen auf die Red Hill Road und diese bergauf. Richtung Muizenberg, in Kalk Bay aber links abbiegen in die Clairvaux Road (M75) und über den Boyes Drive mit weiten Blicken über die False Bay nach Constantia und zurück zum Start.

Die Wein-Tour, 70 km/133 km

Eine Runde durch die etablierten Weingebiete zu Füßen der Helderberge, Stellenbosch, Franschhoek und Paarl. Nach dem Start am Sportplatz der Universität in Stellenbosch klettert man über den Hellshogte-Pass mit Blick auf die Olifantsberge. Zügige lange Abfahrt durch die Weinanbaugebiete, an Kreuzung dann rechts abbiegen auf R45 Richtung Franschhoek. Bei der kurzen Runde (70km) vor dem Ort nach links abbiegen auf R301 Richtung Paarl. Am Ortseingang Paarl Autobahn unterqueren, links in Arboretum. Am großen Einkaufszentrum und Kreisverkehr über die Autobahn, parallel entlang und auf der R101 Richtung Westen. An Einmündung R44 nach links zurück zum Start in Stellenbosch.

Bei der langen Runde fährt man weiter nach Franschhoek und weiter über den malerischen Franschhoek-Pass bis zum Thewaterskloof Dam. Dort umkehren, durch Franschhoek zurück und dann nach rechts auf die R301 Richtung Paarl.

Veranstalter

Wem allein oder zu zweit das Rennradfahren in Südafrika zu anstrengend oder risikoreich erscheint, kann sich an einen der Veranstalter wenden, die organisierte Rennradtouren anbieten. Oft wird man zu tollen Start- und Zielplätzen geshuttelt, die Guides kennen die besten Restaurants und schönsten Weingüter und bei Pannen steht man nicht allein in Afrika.

African Bikers – Der Veranstalter unseres Vertrauens für die Stadler-Südafrika-Reise

Surf and Bike Der Deutsche Bernd Barbrock lebt seit über zwanzig Jahren in Kapstadt und fährt aktiv Rennrad und Mountainbike. Er bietet geführte Touren an oder gibt Tipps für Strecken.

Pro Biketour

 

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