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Der richtige Rennrad-Sattel – darauf kommt es an

Lesedauer: 4 Minuten

Die Verbindung zwischen Mensch und Fahrrad ist ein echtes Wunderwerk. An nur drei Punkten hat der Mensch mit dem Fahrrad Kontakt und trotzdem lassen sich hohe Geschwindigkeiten realisieren. Vorne halten die Hände den Lenker in den verschiedenen Griffpositionen. Im unteren Teil sorgen die Füße an den Pedalen für den Vortrieb. Damit die Kraftübertragung über längere Zeit gut funktioniert, die Balance auch in schwierigen Situationen auf dem Fahrrad gehalten und es zudem nicht ganz unbequem wird, sorgt der Sattel für den Rest.

Der Wahl des richtigen Rennrad Sattels kommt somit eine wichtige Bedeutung zu. Neben einschlafenden Händen und Füßen sowie Problemen mit den Knie, im Rücken, Nacken und Schultern sind es auch immer Sitzprobleme, die sportlichen und auch gelegentlichen Radfahrer den Spaß an der Bewegung auf zwei Rädern vermiesen. Dabei ist die Lösung der Probleme heutzutage nicht mehr so schwierig wie früher.

Während die Fahrradsättel für den „normalen“ Gebrauch schon von Anfang an eher mit breiterer Sitzfläche und sogar mit Federelementen angeboten wurden, waren die Sattelmodelle für die Rennradfahrer lange Zeit überschaubar. Radsport-Legenden besagen, dass sich Rennfahrer früher bei Sitzproblemen zur Linderung sogar ein rohes Schnitzel in die Hose auf die Sitzfläche gelegt haben sollen. Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es den ersten Sattel mit einer geschwungenen Sattelfläche, den legendären „Concor“ von Selle San Marco. Das Layout dieses Sattels sollte erstmals den biometrischen Gegebenheiten des Besitzers in der Sitzfläche Rechnung tragen. Mit den Modellen „Rolls“ und dem auch noch heute verfügbaren „Regale“ setzten die Italiener bis heute gültige Maßstäbe in Sachen Sattel.

Ebenfalls mit anatomischen Werten glänzte Anfang der 80er Jahre Konkurrent Selle Italia mit dem Modell „Turbo“, der 1984 mit zusätzlichen Federungselementen zum „Turbomatic“ wurde. Der Rennrad Sattel war lange Zeit der Lieblingssattel vieler Rad-Profis wie zum Beispiel dem Tour-Sieger Jan Ullrich. Die italienische Firma mit Sitz in der Nähe von Treviso setzte mit den Modellen „Flite“ (1990 mit Titan-Gestell) und später mit dem Modell „SLR“ weitere Meilensteine in der Geschichte der Sattelarchitektur. Inzwischen gibt es diverse Modelle auch mit Aussparungen in der Sattelmitte um den Dammbereich zu entlasten.

Jeder Radfahrer hat eine individuelle Sitzfläche und je nach Verwendungszweck wird diese unterschiedlich beansprucht. Die Sattel-Anbieter haben sich dem Wunsch vieler Kunden und auch der Radprofis nach mehr Individualität angepasst. Die sogenannte Body-Geometrie macht auch bei der Gestaltung der Sättel nicht halt. Neben unterschiedlichen Sattel-Layouts und Dämpfungskonzepten gibt es auch verschiedene Sattelbreiten für die individuellen Abstände der Sitzknochen bei Frau und Mann. In unterschiedlichen Verfahren kann der Abstand der Sitzknochen gemessen werden. In Fachgeschäften bedient man sich meist der digitalen Methode und kann dann über Testsättel den richtigen Sattel für sein Gesäß finden.

Selle Italia bietet Sättel mit unterschiedlichen Breiten und Aussparungen an. Beispielsweise ist das Modell „SLR Kit Carbonio“ mit 131 Millimeter Breite und 275 Millimeter Länge bei einem Gewicht von nur circa 125 Gramm besonders für Radfahrer und Radfahrerinnen mit einem geringen Abstand zwischen den Sitzknochen und einer geringen Hüftrotation geeignet. Und selbst für Triathleten und Triathletinnen, die besondere Ansprüche an ihren Sattel auf dem Zeitfahrrad haben, gibt es in zwischen Lösungen, wie die Firma Fizik es mit dem Modell „Tritone 6.5“ zeigt.

Doch selbst wenn man den richtigen Sattel gefunden hat, ist das noch keine Garantie für einen optimalen Sitz auf dem Rad. Viel hängt von der richtigen Sitzhöhe ab. Als Ausgangspunkt liegt man mit einer Einstellung, bei der die Ferse bei gestrecktem Knie die senkrecht nach unten gestellte Pedale berührt, erstmal ganz gut. In Fachgeschäften unterstützen Berater beim Ermitteln der richtigen Sitzposition. Denn je nach Beweglichkeit der Hüfte und des Rückens sowie der Dehnfähigkeit der Beinmuskulatur kann selbst diese Einstellung zu hoch und der Sitz auf dem Sattel sehr schmerzhaft sein. Dann würde selbst die Anschaffung des besten Sattels umsonst gewesen sein.

Die Position des Rennrad Sattels richtig einstellen

Mit dem richtigen Werkzeug und ein paar Tipps, lässt sich der Sattel auch zu Hause in die richtige Position bringen. Wir zeigen Euch, wie das geht. Voraussetzung dafür ist, dass die Rahmenhöhe deines Rennrades für dich passt.

Du brauchst:

  1. Eine Wasserwaage
  2. Einen Drehmomentschlüssel
  3. Einen Rollentrainer oder eine Wand oder einen Helfer
  4. Ein Lot

Sattelmontage auf der Sattelstütze

1. Der Sattel lässt sich an drei Stellen verstellen: in der Höhe, nach vorne oder hinten und in der Neigung.

 

2. Der Sattel wird auf einer mittleren Stellung auf der Aufnahme der Sattelstütze, die sich im Rahmen befindet, montiert und die Befestigungsschrauben nur so fest angezogen, dass sich die Sattelneigung noch gut verändern lässt.

3. Das Rad bzw. der Rahmen, in dem sich die Sattelstütze befindet, sollte sich auf einem waagerechten Untergrund befinden

4. Mit Hilfe der Wasserwaage wird der Sattel in der Neigung waagerecht ausgerichtet. Dabei ist darauf zu achten, dass die Waage am hinteren Ende nicht auf dem Rand des Sattels sondern auf der Sitzfläche aufliegt. Nach vorne liegt die Waage auf der Sattelnase auf.

Rennrad Sattel

5. Nachdem die Schrauben der Sattelaufnahme an der Sattelstütze mit einem Drehmomentschlüssel festgezogen und der Sattel in der waagerechten Position fixiert ist, setzt man sich auf den       Sattel.

6. Nun stellt man das linke Pedal senkrecht nach unten. Die Ferse mit dem Radschuh sollte nun bei gestrecktem Knie die Pedale berühren. Falls das Knie zu stark gebeugt ist, kann man die Sattelhöhe erhöhen. Wenn zu viel Luft zwischen Ferse und Pedale ist, sollte man die Sattelhöhe verringern. Gleiches macht man auch mit dem rechten Bein. Wenn eine Beinlängendifferenz besteht, wählt man vorzugsweise einen Mittelwert aus der Einstellung des linken und des rechten Beines. Wichtig ist auch, dass eure Hüfte immer waagerecht bleibt und nicht zu den Seiten abkippt. Dies könnt Ihr ganz einfach feststellen, indem ein Freund hinter Euch fährt und darauf achtet.

So ist’s falsch:

 

So sitzt Ihr richtig und die Hüfte knickt nicht ab

 

7. Wenn man die richtige Sattelhöhe gefunden hat, wird nun der Sitz über dem Tretlager eingestellt. In der Basiseinstellung sollte der Fuß korrekt über der Pedalachse positioniert sein. Nun wird die linke Kurbel waagerecht nach vorne gedreht. Ein Lot bzw. ein gerader Stab wird vom oberen Rand des Schienbeinknochens unterhalb der Kniescheibe senkrecht nach unten gelegt. Wenn der Sitz korrekt eingestellt ist, sollte das Lot bzw. der Stab über der Pedalachse liegen.

 

8. Wenn der Sattel zur korrekten Positionierung über dem Tretlager noch einmal verschoben werden musste, sollte man auch noch einmal die Sitzhöhe überprüfen. Durch die waagerechte Veränderung des Sattels und dadurch auch die Änderung des Sitzes auf dem Sattel kann sich auch die Sitzhöhe ändern.

Noch ein Tipp: Die Basiseinstellung des Sattels sollte wie oben erwähnt immer waagerecht sein. Bei Bewegungseinschränkungen im unteren Rücken kann es nach einiger Zeit zu Verspannungen kommen. Ein leichtes Kippen der Sattelnase nach unten bei korrekter Sattelhöhe kann für Entlastung sorgen.

 

(Der Artikel wurde von Michael Wiedersich verfasst)

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