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Mit dem Rennrad und Radcomputer von Berlin nach Warnemünde – Ein Erfahrungsbericht (Teil 2)
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Rennrad

Kilometer 271: Unsere Fans bereiteten uns ein tollen Empfang

Mit dem Rennrad und Radcomputer von Berlin nach Warnemünde – Ein Erfahrungsbericht (Teil 1)

Lesedauer: 4 Minuten

Es ist nie verkehrt, wenn man auch als Radsport-Trainer einen gewissen Fitness-Stand hat. Das gibt einem den Freiraum, auf besondere Wünsche seiner Schützlinge einzugehen. Vor einer Woche kam Marcel, den ich seit einem Jahr betreue, auf die nette Idee, mit dem Fahrrad von Berlin nach Warnemünde fahren zu wollen. Natürlich nonstop, mit möglichst wenig Pausen unterwegs, versteht sich. Gut, der Wunsch stand bei ihm schon länger im Raum, seine längste absolvierte Strecke war bisher jedoch „nur“ 179 Kilometer lang gewesen. Vor einiger Zeit wurde lose ein Termin Anfang September überlegt. Aber da er ohnehin einen mehrtägigen Familienurlaub in Warnemünde-Hohe Düne geplant hatte, bot sich der von ihm kurzfristig vorgeschlagene Montag Anfang August an. Auch das Wetter wollte mitspielen, leichter Wind aus Süd bis Südwest, Temperaturen über Mittag um 24 Grad, was will man mehr?

Radcomputer

Mit dem Rennrad von Berlin nach Warnemünde

Also machte ich mich an die Arbeit. Vor der Fahrt stand erst einmal die Streckenplanung an. Wie so oft konnte das Internet hier sehr gut helfen. Ich nutze schon lange keine analogen Karten mehr. Glücklicherweise gab es in den letzten Jahren einige Rennradfahrer, die diese Strecke absolviert hatten, Streckeninfos über die Beschaffenheit der benutzten Straßen posteten und die dazugehörigen GPS-Tracks hochgeladen haben. In den Streckenplanungs-Portalen wie bikemap.net, gpsies.com und komoot.de wurde ich schnell fündig. Wichtig waren möglichst Straßen und Wege, die für Rennradreifen geeignet sind. Marcel und ich nutzen zwar die robusten Continental GP 4000S-Reifen in der 25er Breite, aber Schotter- und Sandwege hat man mit dem Rennrad trotzdem nicht so gerne. Schnell wurde klar: je nachdem, von wo in Berlin gestartet wird, kommt man am Ende auf um die 260 bis 270 Kilometer. Die Entscheidung fiel schließlich auf einen GPS-Track aus dem Portal bikemap.net, den wir ab Hennigsdorf für unsere Zwecke nutzen wollten.

Garmin Edge 820

Garmin Edge 820

Der GPS-Track war schnell heruntergeladen und per drag-and-drop auf unsere Radcomputer geladen. Während mein Radcomputer ein Garmin Edge 820 ist, nutzt Marcel den Garmin Edge 1000. Beide Geräte haben in vielen Bereichen den gleichen Funktionsumfang. Wer einmal Smart Notifications, d. h., dass SMS und Anrufe vom gekoppelten Smartphone angezeigt werden, und die Live-Tracking-Funktion, mit der Familie und Freunde sehen können, wo man sich gerade befindet, genutzt hat, möchte das kaum noch missen. Der Edge 1000 hat ein größeres Display und verfügt über einen Slot für eine Speicher-Erweiterungskarte. Beim kleineren Edge 820 gibt es diesen Slot nicht mehr, der Speicher ist also begrenzt. Dafür hat er die Möglichkeit einer Unfall-Benachrichtigungsfunktion. Auch die Group-Track-Funktion kann sehr nützlich sein, wenn man sich verloren hat oder zu spät zum verabredeten Treffpunkt kommt und seinen Trainingskollegen hinterherfahren muss. Die Akkuleistung der Geräte ist bei solch einer langen Tour auch nicht unwichtig. Ein größeres Display bedeutet in der Regel auch kürzere Akku-Haltbarkeit. Das wollten wir bei dieser Tour dann auch mal testen, dazu später mehr.

Radcomputer

Die GoPro Hero5 Session unter dem Sattel angebaut

Je nach Leistungstand der Sportler und Sportlerinnen sind 260 bis 270 Kilometer ohne Pause zu fahren ein großes oder weniger großes Vergnügen. Durch die Analyse unserer Leistungswerte konnte ich ausrechnen, wie lange wir voraussichtlich unterwegs sein werden. Da wir beide mit Wattmessern unterwegs sind, habe ich das Tempo so gewählt, dass wir über längere Strecken nicht mit mehr als 70 Prozent unserer Leistungs-Schwellenwerte fahren. Zwischen 30 und 32 km/h kam dabei heraus, bei gut 270 Kilometern wären das um die neun Stunden reine Fahrzeit. Geplant hatte ich deswegen auch drei kurze Pausen in Rheinsberg, Malchow und Güstrow. Essen und Trinken während des Radfahrens sind aber ebenso wichtig. Dazu hatten wir uns mit Riegeln und Gels von PowerBar und Multipower eingedeckt. Meine Lieblingssorte beim Gel ist übrigens Multipower Frodissmo Kaffee-Nuss, fast so gut wie eine echte Kaffeepause, nur ohne Kuchen.

Rennrad

Die praktische kleine Radtasche merkt man kaum

In die Trinkflaschen nahm Marcel noch isotonisches Getränkepulver. Ich dagegen bin da Traditionalist: In die eine Flasche kam mit Wasser verdünnter schwarzer Tee mit Zitrone, in die andere nur Wasser.

Rennrad

Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung: Marcel und Michael kurz vor dem Start zu ihrer Tour nach Warnemünde-Hohe Düne

Nicht ganz unwichtig ist auch die Mitnahme von Ersatzschlauch, Flickzeug, Werkzeug und Handpumpe. Wenn man in der Woche fährt, ist das eventuell ein geringeres Problem, denn es gibt einige Fahrradgeschäfte und Radverleih-Stationen entlang der Strecke. Am Wochenende könnte sich aber Experten-Hilfe zu einem Problem entwickeln. Damit das alles nicht hinten in die ohnehin schon mit Verpflegung, Smartphone, Geldbörse und Windweste gefüllte Trikottaschen muss, gibt es kleine praktische Radtaschen, die man am Oberrohr und Vorbau mit Klettverschlüssen befestigen kann.

Am Montag um sieben Uhr ging es dann los, fast. Ich hatte bei meinem Garmin Edge 820 die Routing-Funktion mit dem geplanten GPS-Track aktiviert, aber ansonsten viele Funktionen, die viel Akkuleistung kosten, deaktiviert. Auch hatte ich eine GoPro Hero5 Session Action Kamera unter dem Sattel montiert, damit ich Marcel eine schöne Erinnerung an die Fahrt in Form eines kleinen Videos basteln kann. Leider hatte ich auf dem Weg zum Treffpunkt gemerkt, dass ich meinen Garmin-Pulsgurt nicht umgebunden hatte. Das ging aber gar nicht, man hat ja seine Rituale! Deswegen ging es nach einem Abstecher bei mir zuhause dann erst um 7.30 Uhr wirklich los. Marcel hatte aus Energiespargründen auf seinem Edge 1000 das Routing deaktiviert und hatte zur Absicherung aber noch eine PowerBank eingepackt.

Rennrad

Kilometer 41: Richtung Kremmen wird es langsam leerer auf den Straßen

Rennrad

Kilometer 61: In der Beetzer Heide wird auch mal getrunken

Der Weg aus Berlin heraus nach Kremmen war glücklicherweise nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Die Schulferien schienen den Straßenverkehr zu beruhigen. Relativ schnell vergingen die ersten 90 Kilometer bis Rheinsberg, obwohl wir durch die Ampeln in den ersten zwei Stunden den angedachten Schnitt von 30 km/h deutlich unterschritten hatten. Auch bremsten immer wieder die Wechsel von der Straße auf den Radweg das Tempo. Ebenfalls als Tempokiller entpuppten sich die Wechsel der Radwege von der rechten auf die linke Seite der Landstraßen und wieder zurück. Plötzlich tauchte ein Schild „Radweg Ende“ auf und man musste erst einmal schauen, ob die Fortsetzung der Fahrt nun auf der Landstraße im Autoverkehr oder auf der anderen Seite als Radweg wieder fortgeführt werden kann. Doch begünstigt durch den leichten Rückenwind waren wir in der dritten Stunde flotter unterwegs. Wie geplant gab es in Rheinsberg die erste Kaffeepause mit einem Stück leichtem Kirschkuchen. Nach dem letzten Krümel ging es dann auch gleich weiter.

Fortsetzung folgt… 😉

Wir haben für Euch eine Liste mit Dingen, die ihr auf die Tour mitnehmen solltet, zusammengestellt: Mitnahme-Liste jetzt herunterladen.

(Dieser Artikel wurde von Michael Wiedersich verfasst.)

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